Von fernen, fremden Landen gelockt, hatten wir als unsere erste Reiseetappe die togoische (togolesisch sagt man nur auf Französisch!) Hauptstadt Lomé ausgeguckt, wo wir eine deutsche Freiwillige besuchen wollten, die Nico und ich auf dem Vorbereitungsseminar kennen gelernt haben.
Auch "Petit Paris" genannt, eilt Lomé der Ruf als eine der schönsten Metropolen Westafrikas voraus. Das muss man gesehen haben.
26.12.2009, 03:30: Mein Wecker klingelt. Bastard! Na ja gut, man quält sich mehr oder weniger bereitwillig aus dem Bett, torkelt unter die Dusche und lässt sich erst mal zehn Minuten von kaltem Wasser wecken. Anziehen, restliche Sachen in den Rucksack schmeißen, auch wenn manches davon noch nicht so ganz trocken ist. Das hat man halt davon wenn man erst am Abend vorher auf die Idee kommt zu waschen. Großer Rucksack, kleiner Rucksack, Grill und ein paar Kochutensilien werden im Auto verstaut. "Papa" Tschüss sagen und Abfahrt Richtung Ouando um Caro und Nico aufzugabeln.
Nachdem mit Mühe und Not alles im Auto verstaut und unser Trocken-Brot-von-gestern-Frühstück beendet ist, gehts auf die Straße nach Cotonou. Auf dem Weg wird noch eben getankt, ab jetzt kann uns nichts mehr aufhalten!
Denkste! Das nächste Sandloch kommt bestimmt und so stecken wir nur kurz hinter Cotonou auf der Route de Pèche in Richtung Ouidah das erste Mal fest. Schaufeln ist angesagt, danach Steine, Palmblätter oder Ähnliches zum unter die Räder legen suchen und den Bock dann mit viel Gefühl in der Kupplung und genau richtig viel Gas wieder auf festen Boden bringen.
In Ouidah angekommen wird dann erst mal gefrühstückt, Omelette natürlich, was auch sonst?
Der Weg wird so schnell wie möglich fortgesetzt, wir sind guten Mutes schon gegen Mittag in Lomé zu sein.
Bis der Weg plötzlich weg ist. Er verläuft sich im Sand und ward nicht mehr gesehen. Nähere Untersuchungen der Umgebung stellen heraus, dass sich nur unweit hinter dem Ende der Straße eine Flussmündung befindet - ohne Brücke natürlich. Selbst wenn es eine gegeben hätte, wir hätten uns auf dem Weg dahin wohl gnadenlos und unwiderruflich im Sand festgesetzt. Wir stellen fest: Wer immer mir mitteilte die Route de Pèche würde nach Ouidah noch nach Grand Popo weitergehen hat - entweder wider besseren Wissens oder böswillig - gelogen.
Wir drehen um und begeben uns auf die 25 Kilometer Rückweg nach Ouidah, um dann wohl doch die Teerstraße nehmen zu müssen. Auf dem Weg machen wir dann noch das Auto voll, es soll sich ja auch lohnen. Mit sieben Leuten (drei vorne, vier hinten) und Gepäck werden die Sandlöcher allerdings noch tückischer, so dass trotz optimierter Fahrtechnik noch zwei mal ausgraben nötig wird. Aber wofür hat man die Leute denn dabei?
Leider fängt auf dem Weg die Kupplung wieder an zu spinnen. Ist ja icht so dass man sie am Vortag noch repariert hätte, aber da hat der Mechaniker wohl Mist gemacht. Na ja, er wollte auch kein Geld... Erste Station zurück in Ouidah ist also die Garage von Saturin, welcher zum zweiten Mal in drei Wochen die Kupplungshydraulik tauscht. Langsam kann ichs selber so oft habe ich das Ding offen gesehen:

Die Stunde Warten wird mit weiterer Reiseplanung und der Organisation unseres ersten Schlafquartiers in Lomé sinnvoll genutzt und danach sind wir dann wieder auf der Strecke, dieses Mal geteert und wahnsinnig gerade. Um von Ouidah nach Lomé zu kommen, muss man eigentlich nur noch das Lenkrad festhalten, mit 90Km/h immer gen Westen:

Der nächste Halt ist Grand-Popo, kurz was zu Mittag essen. Während des Essens werden wieder interessante interkulturelle Erlebnisse gemacht: Caro wird zum Objekt der Begierde und Nico und ich erfahren, dass zehn Schafe für ein Braut sehr, sehr unangemessen sind. Am Ende einigt man sich auf dreißig, aber ich glaube auch da sind wir noch zu billig gewesen. Macht nichts, der Kerl hat die Schafe gerade eh nicht dabei, so dass Caro bei uns bleiben kann. Nochmal Glück gehabt!
Kurz hinter Grand-Popo dann die Grenze. Erstaunlich unbürokratisch und schnell, ich hatte ehrlich gesagt mit Schlimmerem gerechnet: Eine Stunde später und um 36.000 Francs (drei Mal Zehntausend für die Visa und Sechstausend fürs Auto, wir haben tatsächlich niemanden bestechen müssen!) erleichtert, können wir unsere Reise - nun in Togo - fortsetzen. Je weiter wir von der Grenze wegkommen, desto größer werden die Unterschiede: Opels verdrängen die in Benin bevorzugten Peugeots und das Benzin wird nicht mehr an der Straße sondern an der Tankstelle verkauft.
Kurz vor Lomé kommt dann der krasse Schock: Diese Stadt hat einen richtigen Industriegürtel! Ich hatte ehrlich gesagt schon vergessen dass es sowas gibt. Höchst beeindruckend, genau so wie der darauf folgende Freihafen, der schon noch ein gutes Stück größer ist als der in Cotonou.
Auf der Suche nach Selvi, unserer ersten Gastgeberin lernen wir dann unfreiwillig noch den Grand Marché von Lomé kennen: Einmal zu früh abgebogen und schon sind wir mitten drin im Gewühl aus Taxis, Einbahnstraßen, Marktschreiern, Millionen Leuten und Motorrädern. Tja, da muss man dann wohl durch, oder besser gesagt: so schnell wie möglich wieder raus!
Nach einiger Sucherei finden wir Selvi dann doch noch und werden von ihr zu unserem ersten Nachtquartier geleitet. Da ihr Zimmer mit Schrank, Doppelbett und Herd allerdings schon ziemlich ausgefüllt ist, beschließen Nico und ich kurzerhand uns draußen im Hof zu installieren. Eine Matratze wird noch gefunden, dadrüber unser luxuriöser Moskito-Dome installiert und anschließend das Interieur noch stilecht mit Strohmatten ausgelegt (wer weiß schon was in der Matratze alles haust?): Fertig ist das gemütliche Lager für die erste Nacht:

Zum Abendessen gibt es Couscous mit Gemüse-Targine gefolgt vom Wassermelone und nicht so viel später geht es dann auch ins Bett, schließlich wollen wir morgen die Stadt erkunden!